
Nicht gerade zu den Burggespenstern und Gruselgestalten im engeren Sinne, aber zu den "schrägen Typen" vergangener Jahrhunderte zählt der schlesische Kamaldulensermönch Cyprian. Er war ein vielseitig gebildeter Naturwissenschaftler mit Schwerpunkt Botanik. 1756 übernahm er die Leitung der Apotheke im
Kloster Lechnica (heute Červený Kláštor = Rotes Kloster wegen der intensiven Farbe der Dachziegel). Sein berühmtes Herbarium von 1766 beschreibt 283 Kräuter. Die einfach eingerichteten Apothekenräume sind im Rahmen eines Besuches im Klostermuseum zu sehen.
Angeblich baute er über 200 Jahre vor Lilienthal einen Gleitflugapparat und überstand einen Probesprung von einem hohen Felsen am Kloster unversehrt. Allerdings wurde seine Konstruktion von aufgebrachten Dörflern als Teufelszeug bezeichnet und zerstört. Dennoch war Cyprian nicht der erste Gleitflieger. Ähnliche erfolgreiche Versuche soll es noch früher (Hezarfen Ahmed Çelebi) gegeben haben. Und Versuche mit gebrochenen Beinen noch noch früher.
Der erste Langfilm der Regisseurin Mariana Čengel-Solčanská "Legende vom fliegenden Cyprian" entstand 2010, auf DVD gibt es ihn in einer slowakischen (Legenda o Lietajúcom Cypriánovi, mit englischen und tschechischen Untertiteln) und einer polnischen (Legenda o Latającym Cyprianie, offenbar nur slowakische Untertitel) Auflage. Interessant für Leute, die sich für die Geschichte der Gegend oder die Geschichte abgelegener Klöster interessieren.
Ein Kritiker aus Warschau nannte den Film "eine Postkarte aus den Bergen, leicht trashig und verdammt langweilig". Das trifft zu. Viel trübes Wetter in düsteren Farben könnte man mit etwas Wohlwollen aber auch als Atmosphäre bezeichnen. Hartes Provinzleben eben. Das Potential der schönen Pieniny-Landschaft wurde kaum genutzt. Für das heutige Publikum wurde eine Lovestory dazugedeutet. Die Legende vom Bau der Flugmaschine findet nur eine kurze Erwähnung. Insofern ist der Titel irreführend.